Die IDD im Versicherungs-Vertrieb: Eine Herausforderung für unabhängige Finanzberater

Mit der Umsetzung der Insurance Distribution Directive (IDD) für den Versicherungs-Vertrieb in deutsches Recht kommen einschneidende Veränderungen auf die unabhängigen Finanzberater und -vermittler zu. Noch ist die Richtlinie im Gesetzgebungsverfahren, spätestens bis zum Februar 2018 muss das neue Gesetz stehen. Swiss Compare erläutert, was die IDD für den Versicherungs-Vertrieb bedeutet.

Der IDD-Gesetzentwurf der Bundesregierung

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Umsetzung der Versicherungsvertriebsrichtlinie überführt die europäische IDD in deutsches Recht. Die EU-Richtlinie wird dabei nicht verschärft. Dennoch muss die Branche sich im kommenden Jahr auf zahlreiche Veränderungen einstellen: Einige Bestimmungen der IDD für Versicherungen sind in Deutschland neu und ungewohnt – und mit zusätzlichem Aufwand verbunden.

IDD für Versicherungen: Zusätzliche Informations- und Dokumentationspflichten

Mit der Umsetzung der IDD für Versicherungen kommen zusätzliche Prüfungs-, Beratungs-, Informations- und Dokumentationspflichten auf die Finanzberater zu.

Der Produktprüfungsprozess

Nach den neuen Regeln muss nicht nur der Produktgeber, sondern auch jeder Versicherungsvermittler, prüfen bzw. nachvollziehen und dokumentieren, ob ein Versicherungsprodukt für eine bestimmte Zielgruppe geeignet ist. Dazu muss er sicherstellen, dass er (und seine angeschlossenen Vertriebspartner) alle Informationen zu dem Produkt erhalten und auch verstehen.

Die fortlaufende Beratungspflicht

Die Beratung des Kunden wird – soweit man dieses anbietet (was bei einem „Berater“ selbstverständlich sein dürfte) – nicht nur einmalig fällig, sondern bei bestimmten Produkten (Versicherungsanlageprodukte) jedes Jahr aufs Neue. Diese fortlaufende Beratungspflicht mit der dazugehörigen Dokumentation bedeutet mehr Verwaltungsarbeit für jeden unabhängigen Finanzberater.

Die Geeignetheitserklärung

Außerdem werden unabhängige Finanzberater nach Umsetzung der IDD zu überprüfen und dokumentieren haben, ob Versicherungsanlageprodukte (z.B. klassische und fondsgebundene Rentenversicherungen) zu den individuellen Risikoprofilen und sonstigen finanziellen Gegebenheiten ihrer Kunden passen. Maßgeblich ist dabei alleine die Kundensicht. Die Kundenprofilierung, der Vergleich verschiedener Angebote und die erforderliche Dokumentation des gesamten Prozesses stellen für unabhängige Finanzberater wiederum zusätzlichen Aufwand dar. Wird eine Profilierung des Kunden nicht beziehungsweise nicht vollständig durchgeführt oder ein nicht geeignetes Produkt dem Kunden empfohlen, drohen zudem hohe Bußgelder.

Weiterbildung nach IDD: Höhere Anforderungen für Finanzberater und ihre Angestellten

Nach dem IDD-Gesetzentwurf der Bundesregierung müssen unabhängige Finanzberater ebenso wie die Versicherungsunternehmen sicherstellen, dass alle ihre Mitarbeiter im vertrieblichen Kundenkontakt Mindest-Qualifikationen besitzen. Finanzberater müssen sicherstellen, dass

  • ihre Mitarbeiter zuverlässig sind,
  • über eine sachgerechte Qualifikation verfügen und
  • sich regelmäßig weiterbilden.

Für die regelmäßige Weiterbildung sieht der Gesetzgeber 15 Stunden jährlich vor.

Angestellte müssen bei § 34 d GewO nicht registriert werden. Dieses gilt nur für die für den Vertrieb verantwortlichen Angestellten.

IDD-Gesetzentwurf: Präzisierung der Vergütungsmodelle

Eine weitere Neuerung im IDD-Gesetzentwurf der Bundesregierung betrifft die Vergütungsmodelle für Versicherungsvermittler. Honorarberatung und Vergütung über Provisionen werden als Modelle nebeneinander bestehen bleiben. Allerdings wird die Trennlinie zwischen Beratern, die Honorare erhalten, und Vermittlern, die über Provisionen bezahlt werden, stärker herausgearbeitet.

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